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Kino im Kopf - aber wie?

Radio mit dem gewissen Etwas ...leicht gemacht
Andi Jacomet, April 1997

  • Verwendung ausschliesslich und ausdrücklich auf eigene Verantwortung
  • Dieses Dokument hat reinen Nostalgiewert (entstanden im Frühling 1997 / unveränderte Fassung... aus einer Zeit, in der es noch keine Musikcomputer und Sendeautomationen gab)
  • PDF-Version (für Ausdruck) hier abrufbar

1. Allgemeines

Tiefe Löhne, schwache Weiterbildung, unbefriedigende Informationspolitik. Das Los vieler zumeist junger freier ModeratorInnen hierzulande. Dennoch bleibt Radiomachen halt immer noch das schönste Gefühl der Welt. Auch wenn man sich oft "in die Pfanne gehauen" fühlen mag - das Kribbeln im Bauch sollte dabei nicht verloren gehen. Routine ist der Tod jeder Sendung.

In diesem Falle machen wir am besten gleich das, was Radiodirektor Andreas Blum über 90% der hiesigen Lokalradios rät: dicht. Unsere Antwort an Herrn Blum: wir können's besser, Chef! Und das ist gar nicht so schwer.

Was hier folgt, sind übrigens lauter Idealfälle, die in reiner Form in der Radionatur eigentlich gar nicht vorkommen. Die Menge des Perfektionismus in eines/einer jeden Radiosuppe richtet sich natürlich nach eigenem Geschmack bzw. Selbstvertrauen. Ziel ist und bleibt aber, dem Titelmotto gerecht zu werden: "Radio ist Kino im Kopf." Und wir alleine sind dafür verantwortlich, welches Film-Genre in den Köpfen unserer HörerInnen abläuft.

2. Wort

Ein ehemaliger 101,7-Moderator sagte einmal: "Es gibt Leute, die können eine Zeitansage machen und es tönt gut." - Stimmt, nur gibt's in der Region Basel nicht eben viele von dieser Spezies. Aber wenn schon Zeitansage, dann sicher nicht so: (Fade) "Sie lose Radio Edelwyss, es isch viertel vor elfi." (Musik)

Zugegeben: es gibt wohl keine undankbarere Aufgabe, als eine vierstündige Abendsendung ganz auf sich alleine gestellt vernünftig zu füllen. Da gibt es keine Patentrezepte - ausser die eigene Phantasie... in einem gesunden Rahmen. Daher an dieser Stelle kein Monolog darüber, was man sagen könnte, sondern vielmehr wie.

Einige mögen's frei gesprochen, andere verlassen sich lieber aufs Manuskript. Gute Radioleute können beides: einen kunstvoll auf Radiodeutsch vorformulierten Text so sprechen, dass er nicht abgelesen tönt - aber eben auch die Sportresultate in letzter Minute ab Teletext ohne Stottern mit den notwendigen Zusätzen lesen. Idealfall: bei geringer Hektik lieber zuviel als zu wenig aufschreiben, seien es auch nur Stichworte. Die Gefahr, dass etwas schiefgeht oder unmotivierte Wortballaste über den Sender gehen, vermindert sich gehörig.

Auch zwei vielzitierte Sätze: Persönlich sein, nicht die Masse ansprechen! Und beim Mundart Sprechen nie vergessen, dass hochdeutsche Wörter nicht ohne weiteres eins zu eins übernommen werden können. Germanismen sind möglichst zu vermeiden ('Niederschlag' z.B. sagt kein Mensch).

Zwischendurch doch noch ein kurzes Wort zum Was. Man soll sich ja nie auf das Echo einer Einzelperson verlassen. Trotzdem ist dieser Satz eines befreundeten "Durchschnittszuhörers" für unser Medium bezeichnend: "Mir fehlen je länger desto mehr Inhalte. Oft gibt's nur noch Wischiwaschigelaber statt wenigstens einen kurzen gescheiten Satz." Da sind zunächst mal die Damen und Herren RedaktorInnen angesprochen - aber auch wir als VerkäuferInnen. Kurze Infos zur Platte, eine kleine Anekdote, Softnews... (Chef, wann wird auch der allerwichtigste Teil einer Sendung, die Vorbereitungszeit, bezahlt?)

Überleitungen bitte nicht um jeden Preis: wir alle haben uns sicher schon einmal dabei ertappt, wie wir krampfhaft den Zusammenhang zwischen einem Song und dem darauffolgenden Beitrag herstellen wollten. Es gibt viele gute Beispiele. Aber viel mehr schlechte. Daher im Zweifelsfall lieber nicht!

Coming Ups sind oft ein probates Mittel, wenn nach drei oder vier Platten eine Wortmeldung fällig ist: "Verchauf oder Konkurs? D'Langebrugger Schilift kämpfe ums Überläbe - öbbs nur am fählende Schnee liggt...? Details in ere Viertelstund uf däm Sänder." (Bei festen Rubriken weniger einsetzen - Europawetter ist nichts allzu Brisantes.)

Regel Nummer eins, nein, Nummer Null, bleibt jedoch: nicht auf die eigenen Fehler hinweisen, auch wenn's noch so ärgerlich ist. Ein kleines "Hoppla" oder ein freches "Ruhe!", wenn ein Jingle am falschen Ort kam, können ganz charmant sein - das genügt aber völlig. Nur einem Bruchteil der HörerInnen fällt es beispielsweise auf, wenn statt dem Wetterjingle ein Schlagzeilentrenner kam - hier schweigt man am besten und steht dafür während dem Opener ins Eggeli. Keinesfalls Entschuldigungen gebrauchen!

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Softnews sind manchmal im wahrsten Sinne des Wortes "weich" und brauchen nicht noch eine Pointe, die nur einem/einer selbst gefällt. Wer hingegen eine wirklich treffende weiss - her damit! Damit aber nicht dieselbe "Bild"- oder Teletext-Meldung abends nochmals gelesen wird, kleine Notiz ins Studio: "CH-TXT 629/3 gelesen um 09.30 Uhr" oder "The Sun, 29.2.96, Seite 3, Diana, bereits gelesen!" - Netterweise versehen die TXT-Leute in Biel fast jede Seite mit dem Erscheinungsdatum. Softnews vom Vortag standen meist schon im Blick oder auf der BaZ-"Letzten" - und sind daher wegzulassen. Richtig gut frei ab TV formulieren ist eine Kunst; umschreiben ist besser.

Interviews: sogenannte "Standardfragen" (Zitat eines Redaktionsmitglieds, Dezember 1995!?) gibt es auch bei einer zweieinhalb-Minuten-Guillotine nicht. Falls man dennoch ein solches Manus vorgesetzt bekommen sollte: Lead ruhig 'auf den eigenen Schnabel' umformulieren und anhand Beilagen bessere Fragen finden. Gutes Programm ist immer wichtiger.

Um mehr Drive zu erhalten, kann die Abmoderation (Name und Funktion des Interviewpartners sowie allfällige Hinweise auf Telefonnummern oder Daten) auch übers Intro der nächsten Platte gesprochen werden. Allerdings muss man genau spüren, wann bei Live-Gesprächen die letzte Antwort auch wirklich fertig ist! Lieber keine Experimente.

Grundsätzlich gilt: Stil je nach Sendung! Eigentlich ist es sinnlos, feste Regeln aufzustellen. Infosendungen ertragen gar kein unaufgeschriebenes Geplapper - was um 21.47 Uhr unter Umständen ganz amüsant sein kann. Allerdings gilt: eher gar kein Wort als Überflüssiges.

Stichwort Moderation: auch LaRoche/Buchholz 1993, Seite 39ff.

3. Wort und Musik

Bei gängigen Lokalradioformaten pendelt der Musikanteil um 80 Prozent. Das heisst: solange keine Automation (Musikcomputer) unserem Job ins Handwerk pfuscht, sollten wir auf eine gepflegte, sorgfältige Musikauswahl besonderen Wert legen. Die halbe Stunde, die man dafür früher erscheint, lohnt sich. Umso mehr sollte man aber auch damit 'spielen' lernen: aus nur einem einzigen Haufen CDs kann selten eine gute Sendung werden. (A propos: benütze auch Vinyl, solange Du noch kannst und solange es nicht allzu sehr kratzt.)

Ein sorgfältig ausgewähltes Musikprogramm besteht mindestens aus 4 Türmen:

  • Opener (Stundenanfang, nach Schlagzeilen - Achtung, vorhören und Intro genau abtimen!)
  • Laufprogrammtitel (ev. unterteilt in Softies/Harte Anfänge/"Solid Gold" = Bekannte Hits aus 70ern, 80ern und 90ern/LP-Titel...)
  • Besonderheiten (Oldies, Fremdsprachiges, Erwähnenswertes etc.)
  • Closer (mit Cold End - genaue Länge bestimmen!)

Auf diese Weise können die klassischen Radiotodsünden vermieden werden:

Softies und leise Intros nach Wortbeiträgen aller Art: wieso hört man's auch bei den "Grossen" so oft, wenn es doch so einfach zu vermeiden ist? Faulheit? - Das Programm sackt hoffnungslos ab, wenn nach einem Jingle oder Interview ein Titel à la "Earth Song" folgt.

Jackos Hit ist allerdings ein hervorragender Bridge-Titel, wenn man von einem Softie zu härteren Tönen zurückkommen möchte - er fängt leise an und hört pathetisch-laut auf!

Introballaste wegcuen: ohne den MusikerInnen ins Konzept pfuschen zu wollen (bei einem Alternativsender wäre der folgende Tip selbst eine Todsünde und würde an einer Vollversammlung Tomatenwürfe provozieren) - viel Gedudel am Anfang kann man getrost weglassen. Wozu hat denn Willy Studer seine CD-Player mit einem ultragenauen Laser und einer Locate-Taste ausgerüstet? Aktuelles Beispiel (naja, nicht mehr so ganz): Maria Carey's "Fantasy" fährt viel phantasievoller ein, wenn man das leise Säuselintro weglässt und gleich "auf den Beat" cuet. Das dauert halt etwas länger, viele HörerInnen danken es uns aber, wenn der Sound nicht absackt (besonders im Auto und anderen hintergrundgeräuschschwangeren Orten - dieses Wort bitte nicht on air gebrauchen - ärgerlich). Keine Regel ohne Ausnahme: wenn "Fantasy" (und alle anderen leisen, längeren Intros) auf einen ausklingenden Softie-Schluss (z.B. Doors, "Riders On The Storm") folgt, lässt man's natürlich wie es ist.

A propos - Thema Übergänge! Wird leider oft (auf allen Sendern) sträflich vernachlässigt - wieso muss denn nach Aerosmith's "Crying" unbedingt das Intro von "Hotel California" folgen? Da ist bei der Musikabstimmung was schief gegangen. Oder ein herzloser Musikcompi war am Werk. Oder jemand hat vergessen, das Intro der Eagles wegzucuen - was wiederum Frevel wäre. Fazit: nach so einem Knaller wie "Crying" sind im Vergleich dazu "absackende" Songs entweder mit einer Tempo-Brücke (z.B. Station-ID) abzutrennen - oder man nimmt gleich ein Stück vom "Opener"-Türmchen!

Übergänge nie mit Kopfhörer machen. Dies ergibt eine künstliche Studiosituation - die daheim und im Auto hören uns aber aus Lautsprechern, oft mit etlichen Hintergrundgeräuschen. Daher Überblendungen mittels Studiomonitoren auf Heimlautstärke vornehmen! (By the way - das war ein alter Tip von Dani Fornaro, der uns von weit weit oben 24 Stunden täglich zuhört... machen wir ihm die Freude!)

Abrupt endende Platten (Cold End) - Roy Orbison spielt uns mit "Pretty Woman" und "You Got It" gleich zwei 'Very-Cold-End-Streiche' - wohnt das Problem inne, mit dem folgenden Titel rechtzeitig einzufahren. Das geht noch! Kreuzblenden von Fade-End-Song zur nächsten CD sind heikler: verschiedene Rhythmen sind ideal zu verschmelzen, die Gefahr besteht, zu lange mit dem Starten zu warten, umgekehrt fährt man gerne zu früh ein... "Feeling" ist angesagt. Grundregel dabei im Hinterkopf behalten: die Aussteuerungsanzeige darf nie unter -15dB sinken.

Opener - auch gleich erledigt: die erste Platte einer Stunde (im Laufprogramm) hat einzufahren! Alle andere tönt seltsam. Toto's "Africa" ist (in der längeren LP-Version) genau so wenig geeignet wie Peter Cetera's "One Good Woman" - obschon beide später einen ziemlichen Beat entfalten.

Und wenn man sich zutraut, das Intro einer Platte zu übersprechen: Fachleute finden zwar nur selten, dass ein Intro "vollkommen" aufgehen sollte. Aber weshalb redet man denn in den Instrumentalteil am Anfang eines Titels? Aus Verlegenheit, weil das, was man sagt, nicht so gut ist, dass es "rein" rüberkommen dürfte? - Daher der Tip für PuristInnen: wenn schon ins Intro reden, dann bis vor den Gesang (natürlich nur, wenn man etwas Vernünftiges mitzuteilen hat - bitte keine Wortballaste produzieren, nur um das Intro zu füllen). Viele werden in diesem Punkt nicht zustimmen - nun gut, eine Tragödie ist es nicht, das Intro nicht "auf Null" bis direkt vor den Gesang zu übersprechen. Allerdings stellt sich dann oftmals Grönemeyers Frage: was soll das? Wer unbedingt will, soll halt. Nur etwas ist absolut tabu: sekundenlang den Gesangspart zu übersprechen und sich dabei kein schlechtes Gewissen zu machen. Klar kann es trotzdem einmal passieren, dass ein Intro trotz allem Vorhören und Abstoppen halt nicht aufgeht. Darum hier wie überall: Übung macht die Meisterin.

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Viele Intros beinhalten schon Jauchzer, Jodler oder Yeahs aller Art - können also von Freaks als Gesangsparts bezeichnet werden, die man per definitionem nicht übersprechen dürfte. Gefühl walten lassen - des Bosses "Hungry Heart" könnte man wohl ruhig bis zum Haupttext übersprechen (idealerweise einfach bei Springsteens heiseren Tönen nichts sagen, aber auch nicht unbedingt wild den Regler rauf- und runterschieben); bei "That's The Way Love Goes" von Janet Jackson ist klar das Gegenteil der Fall (die ersten paar Sekunden bis zum Beat cuet man meist ohnehin weg).

Übrigens: einmal hinuntergefadete Platten sind tot und werden nicht wieder aufgeblendet. Beispiel: (Fade) "Radio Edelwyss..." (wieder auf- und abblenden) "Viertel vor vieri..." (auf- und abblenden) "do isch s'Europawätter." - Ächz! Wieder aufgeblendet wird nur im Notfall; bei vergessenen Nachrichtenmanuskripten und dergleichen.

Weiteres zum Thema: LaRoche/Buchholz 1993, Seite 192ff.

4. Wort und Jingles

Das Wichtigste gleich aus dem Munde der Fachleute (LaRoche/Buchholz 1993, Seite 44): "Zwischenmoderationen unterbrechen im Begleitprogramm die Abfolge der Musiktitel. In den USA werden sie deshalb auch breaks genannt. Sie können eine oder mehrere Botschaften enthalten: Zeitansage, Wetter, Verkehrslage, Musik-Ansage, Stationsansage (station-identification, ID) und anderes mehr. Ein "three-element-break" ist also eine 'Zwischen-Ansage' mit dreien solcher Inhalte.

Moderationen können auch durch Jingles unterstützt werden. Solche 'Aufmerksamkeitswecker' bestehen meist aus kurzen Musikpassagen mit sehr knappen Texten, gelegentlich nur aus Musik-Akzenten oder nur aus Wort. Solche vorproduzierten Jingles können mit Live-Moderationen kombiniert werden. Ein Beispiel:

Jingle Inhalt: Ankündigung des Wetterberichts

Moderation Inhalt: Wetterbericht

Jingle Inhalt: Stationskennung

Die Jingles kündigen dabei die Moderationen entweder nur an, sorgen mit einem akustischen Akzent dafür, dass sie sich vom Musikteppich abheben, oder sie transportieren eigenständig eine Botschaft. Solche Moderationen müssen 'hart gefahren' werden, das heisst: Die Anschlüsse müssen genau passen. 'Löcher' (also kleine Pausen) zwischen Jingles und Moderationen nehmen Tempo und wirken wie peinliche Pannen."

Dabei ist besonders auf die letzten drei Sätze zu achten! Leider ist teils nicht einmal bei bereits vorhandenen Jingles Verlass auf Kontinuität: Werbetrenner folgen erst nach längeren Pausen (z.B. Gratulationen) oder Werbespots sind seit Jahren mit falschen Längen (bis zu 2 Sekunden Differenz!) angeschrieben. Ohne Vorhören entstehen also die erwähnten Löcher. Auch die aktuellen Edelweiss-Signete weisen äusserst lästige Verzögerungen von bis zu einer halben Sekunde ab Knopfdruck auf (Stand: Dezember 1995). Pausen werden aber nicht etwa denen angelastet, welche die Signete auf Carts kopiert haben, sondern uns...

Die Moral der Geschicht: das Programm muss ein optimales Mass an Kontinuität aufweisen; die einzelnen Elemente haben miteinander zu verschmelzen. Zuviel des Guten ist allerdings ungesund und wirkt zu hektisch. Wie hiess schon wieder das Sprichwort vom Mittelweg?

Grenzfallbeispiel: auf die "Ramp" des Schlagzeilen-Jingles zu sprechen, empfinden einige vielleicht bereits als zu nervös - aber wieso nicht? Fader ca. ¾ Sekunden vor dem eigentlichen Beat schieben.

Der Held, der viele Backgrounds (z.B. Europawetter) auf CD kopiert hat, gehört zwar gefeiert; allerdings gibt's oft noch Cart-Hintergrundmusik, auf die ein Jingle wiederum ab Cart folgen sollte. Wie anstellen? - Sicher nicht, indem die Hintergrundmusik zehn Sekunden vor Ende runtergezogen, die laufende Cartridge gestoppt, der Fader wieder hinaufgeschoben und das Endsignet gespielt wird. Ein Profi wird sich den Background auf DAT oder Cassette kopieren - dann gibt's keinerlei Probleme, der Übergang klappt nahtlos. (Epilog: dieser Abschnitt wäre unnötig, wenn die unfähigen Mischpultbesteller vor Jahren gemäss unserem eindringlichen Wunsch für jede Cart-Maschine auf einer separaten Schiene bestanden hätten.)

Allzu nervöses oder viel zu lahmes Auf- und Abblenden bei Backgrounds ist natürlich ebenfalls störend (siehe auch: tote Platten).

Der Kernsatz des gesamten Papiers (LaRoche/Buchholz 1993, Seite 45):

"Ob eine Sendung Drive hat, entscheidet sich durch die Art, wie exakt und sensibel sie gefahren wird."

Wozu das alles? Klar geht's auch ohne. Aber es wäre zu schade, dem grössten Gefühl im Bauch mit Minimalismus zu huldigen und bloss bestenfalls durchschnittliches Radio zu machen.

5. Weiterbildung

MAZ-Kurse sind teuer und bedingen in den meisten Fällen mindestens eine Anstellung bei einem Medium auf Teilzeitbasis. Daher bleibt uns nur:

  • Andere Sender hören (es gibt nicht nur SWF3 - das Original! - auch wenn die's am besten machen und viele hierzulande leider schlecht kopieren)
  • Überlegen, wie man Ansage X oder Beitrag Y selbst machen würde
  • Alte Radiofüchse fragen
  • Aircheck für sich daheim mitlaufen lassen (Tape über den Hit-CDs im On Air steht sonst nur nutzlos rum - gib's zu, Du hörst Dich gerne, alles andere wär' abnormal bei dem Job)
  • Im Vorpro üben - besonders neue Rubriken oder komplizierte Takes.
  • Daheim üben

Zudem wimmelt es in jeder Bibliothek an Fachliteratur zu unserer Tätigkeit. Die Zeiten, als es hiess, ein Radiomensch ohne LaRoche/Buchholz im Gestell ist wie ein Pfarrer ohne Bibel, sind vorbei - unterdessen gibt es viel mehr einschlägige Literatur. Alle Werke der folgenden (kleinen) Auswahl sind in jeder Buchhandlung bestellbar:

  • Arnold, Bernd Peter: ABC des Hörfunks, München 1991. (Sehr reichhaltig und modern! Nach LaRoche/Buchholz das zweite Standardwerk.)
  • Bowenter, Hermann (Hg.): Medien und Moral. Ungeschriebene Regeln des Journalismus, Konstanz 1988. (Wieso nicht auch mal ein Werk, das eher für RedaktorInnen gedacht wäre?)
  • Frauengruppe der SJU (Hg.): Die Sprache ist kein Mann, Madame. Anregungen für einen nicht-sexistischen Sprachgebrauch. o.O./o.J. (Musste ja nach all den -Innen kommen: kein Mensch verlangt, dass am Radio die weiblichen Substantivformen immer genannt werden. Diese gar nie zu gebrauchen, heisst aber, 52% der Bevölkerung bewusst zu ignorieren! Regeln aufstellen ist schwierig - dieses Buch ist ein provokativer Diskussionsbeitrag dazu.)
  • Frischknecht, Jürg / Büren, Walo von (Hg.): Kommerz auf Megahertz? Dossier Radioszene Schweiz, Basel 1980. (Geburt der konzessionierten Lokalradios aus linker Warte betrachtet - kritische Töne zur damaligen Medienpolitik. Achtung, politisch!)
  • LaRoche, Walther / Buchholz, Axel (Hg.): Radiojournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk. 6., aktualisierte Auflage, München/Leipzig 1993. (Die Bibel: das vierzigfränkige Eintrittsticket in den Beruf am Mischpult oder Ticker ist unser Standardwerk. Der gelbe Buchrücken im Gestell weist Radioleute aus! - In dieser Reihe "List Journalistische Praxis" sind übrigens weitere nützliche Bücher erschienen.)
  • Schawinski, Roger: Radio 24. Das erste freie Radio der Schweiz, Zürich 1982. (Radiokoller? - Diese krimimässige Story vom Chef-Piraten bringt jedeN zurück ans Mikrofon. Auf dem Pizzo Groppera liegen unser aller Wurzeln. Könnte allerdings vergriffen sein!)
  • SJU (Hg.): Absage und Warnung. Über werbefinanzierte Lokalradios, Basel 1983. (Politisch zum zweiten: wer sich 1982 auch noch um die Lizenz zum Senden beworben hätte - und leer ausgegangen ist... und wieso!)


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