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Aktuell Januar 2002

Radio Unispital muss trotz einer Petition mit 2500 Unterschriften den Betrieb einstellen - die Spitalleitung stellt sich stur. Beitrag von Radio Zürisee (Win Media), Bericht der NZZ. Offener Brief an die Spitalleitung hier. Anfrage im Zürcher Kantonsparlament.

 

 

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» Radio Unispital

» Leserbrief im Tages-Anzeiger vom 21. November 2001

» Artikel im Tages-Anzeiger vom 21. November 2001

» Artikel auf Tagi-Online vom 20. November 2001

» Artikel im Landboten vom 21. November 2001

» Meldung im Zürcher Oberländer vom 21. November 2001

» Anfrage von Roland Munz (SP) im Zürcher Kantonsparlament

» Unispital Zürich

 

 

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Spitalinternes Radio in Zürich muss den Betrieb einstellen

Radioteam wehrt sich gegen Zwangsschliessung

Nach zehn Jahren soll Radio Unispital - zu empfangen nur im Universitätsspital Zürich - geschlossen werden. So will es die Spitalleitung. Sie macht geltend, es habe immer grössere interne Querelen bei der Radiomacherinnen und -machern gegeben. Doch diese geben sich nicht so leicht geschlagen.

von Andi Jacomet

Radio Unispital ist das älteste und renommierteste Spitalradio der Schweiz. Auch der Schreibende hat - wie sehr viele andere zumeist junge Leute - in den 90er-Jahren manche Stunde im Glaskasten des Nordtraktes verbracht und Dutzende von Sendungen, Beiträgen, Features und Specials für Belegschaft und Patienten gestaltet. Man kann sich zurecht Fragen, ob es angesichts der heutigen Flut an elektronischen Medien und dem Spardruck im Gesundheitswesen ein spitalinternes Radio braucht. Andererseits zeigten die positiven Reaktionen seitens Patientinnen und Patienten immer wieder, dass das Radio nicht bloss Spielwiese für gescheiterte Kommerzradio-Talker ist, sondern sich seit 1991 zu einem wichtigem Teil des Spitals gemausert hat.

Ausbildungsstätte für Schweizer Radioszene

Aus dem Team von Radio Unispital gingen zudem eine ganze Menge Journalistinnen und Journalisten vor, die heute bei Radio Z, Radio 24, Radio Zürisee, Blick, Tele 24, SDA, Radio Basilisk und anderen etablierten Medien arbeiten. Was die Lokalradios für Radio DRS sind, ist Radio UniSpital für die Lokalradios: Eine Ausbildungsstätte, wo das Radio-Handwerk im Learning-by-doing-Verfahren und in Kursen gelernt werden kann; ein Freiraum, wo gewisse Dinge möglich sind, die bei einem frei empfangbaren Sender nicht gehen. Damit ist nicht gemeint, dass der Spitalsender eine geschützte Werkstatt für Ulk und schrägen Humor ist. Radio Unispital hat professionell ausgearbeitete Statuten und Sendehandbücher, an die sich alle halten müssen. Es dürfen aber noch Fehler gemacht werden - bekanntlich macht man gewisse Fehler nur einmal, und die Ausbildner bei den Lokalradios sind froh, wenn sie Leute rekrutieren können, welche schon mal an einem Mischpult gesessen sind und gewisse Schnitzer schon hinter sich haben. Pannen, die nicht unbedingt gleich über den Sender gehen müssen - das Studio steht zumeist für Aufzeichnungen und fürs Üben zur Verfügung.

Die Spitalleitung kann dies ignorieren - tut aber gut daran, ihren Entscheid nochmals zu Überdenken. Es zeugt von wenig Fingerspitzengefühl, ein Projekt sang- und klanglos abzuwürgen, das es im Lauf der Jahre geschafft hat, zu einem Teil der Schweizer Medienlandschaft zu werden, namentlich als Journalistinnen- und Journalistenschmiede. Das war zwar beim Start des Senders kaum so geplant - ist heute aber so und muss bei derart einschneidenden Entscheiden bedacht werden.

Spitalleitung verhängt Informationssperre

Wer sich derart naiv mit Medienleuten anlegt, muss zudem mit heftiger Gegenwehr rechnen, denn die Macherinnen und Macher waren mit viel Herzblut dabei und werden sich ihr "gutes altes Radio" nicht einfach nehmen lassen. Sie verfügen über ein dichtes Beziehungsnetz in Medien und Politik und werden notfalls auch externe Sponsoren finden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. An der Spitalleitung liegt es dann, weiterhin den Raum für die Radiostation zur Verfügung zu stellen.

Wo viele Freiwillige am Werk sind, kann es schnell brodeln: Offenbar hat ein aus dem Team ausgeschlossener Mitarbeiter das Fass zum Überlaufen gebracht, der laut unbestätigten Meldungen Briefe mit abstrusen Vorwürfen an die Radioleitung herumschickte. Mit Querulanten und Möchtegerns muss bei solchen Projekten immer wieder gerechnet werden - selbst zu meinen Zeiten bei einem kommerziellen Lokalradio und einem Alternativradio war das nicht anders.

Allerdings darf man es nicht so weit kommen lassen, dass unqualifizierte Störaktionen ein Projekt, in das Tausende von Arbeitsstunden Freiwilliger gesteckt wurden, zu Fall bringen. Hier muss sich die Leitung des Radios den Vorwurf gefallen lassen, wohl zu passiv auf die Vorwürfe des besagten Mitarbeiters reagiert zu haben. Juristische Schritte gegen die Anwürfe wären angebracht gewesen. Aber auch die Spitalleitung verhielt sich passiv und suchte das Gespräch mit den Radioleuten nicht. Eine Einladung zur Mitarbeitendenversammlung blieb unbeantwortet, niemand liess sich blicken.

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Nachdem Spitaldirektorin Christiane Roth das Ende von Radio Unispital in einem Brief an die rund 80 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angekündigt hatte, wurde sogleich eine Informationssperre verhängt. Die Radioleitung seinerseits wandte sich mit einem Schreiben an die Zürcher Gesundheitsdirektorin Verena Diener. Andreas Lange, Präsident von Radio Unispital, wurde von der Schliessung überrascht. Das Team sei schockiert und könne die Gründe für den Entscheid nicht akzeptieren.

Ohrfeige für Freiwilligenarbeiterinnen und -arbeiter

Auf der Website von Radio UniSpital heisst es: "Radio UniSpital ist dringend auf Ihre Hilfe angewiesen. Nach 10 Jahren Programm für die Patientinnen und Patienten will die Spitalleitung das hausinterne Radio im UniversitätsSpital Zürich aus unerklärbaren Gründen schliessen. Die über 50 freiwillig tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen aber weiterhin den Patientinnen und Patienten ein besonderes Radioprogramm bieten. Um die Spitalleitung davon zu überzeugen, brauchen wir Ihre Unterstützung in Form einer Unterschrift. Bitte drucken Sie die Petition aus, unterschreiben diese und schicken sie an uns zurück. Dankbar sind wir auch, wenn Sie Ihr Umfeld auf unser Anliegen aufmerksam machen könnten." Der Petitionsbogen ist hier als PDF-Dokument zum Download und Ausdruck bereitgestellt.

Auch viele Leute, die bereits bei einem konzessionierten Radio angestellt waren, leisteten in ihrer Freizeit unzählige Arbeitsstunden für Radio Unispital, weil sie vom Nutzen des Projekts für das Spital und für die Patienten überzeugt waren.

Im Jahr der Freiwilligenarbeit eines der wohl grösseren auf unbezahlter Arbeit basierenden Projekte der Schweiz zum Fall zu bringen, ist ein Affront gegenüber allen, die Gratisarbeit leisten.







Reaktionen

Andreas Lange schrieb am 26.11.2001: "Hoi Andi Danke für Dein Engagement, für Deine Offenheit, Ermutigung und Einstehen für einen Weiterbetrieb nach dem 31.12.01. Wir bleiben dran Gruss, Andreas."

Romeo Degiacomi schrieb am 26.11.2001: "Hoi Andi, wir kämpfen weiter fürs UniSpital! Gruss Romeo Degiacomi, grad i dä Morgesändig vo Radio Zürisee."

Stefan Staiber schrieb am 26.11.2001: "Sali Andi! Besten Dank für Dein Engagement, Radio UniSpital zu retten."

Roman Brugger schrieb am 26.11.2001: "Hi Andi! Nach den achteinhalb Jahren, die ich nunschon für dieses Radio aktiv tätig bin, wurde ich vor zehn Tagen mit dieser Hiobsbotschaft überrascht. Wir lassen das nicht auf uns sitzen. Ich danke Dir herzlich für Deine Ausführungen."

Martin Kolb schrieb am 27.11.2001: "Danke für deine Unterstützung! Kenne das Schmuckstück Radio UniSpital erst seit 16 Monaten. Bin total begeistert von den Möglichkeiten, welche dieses Radio bietet. Kämpfe und helfe gerne mit, "die andere Medizin" am Leben zu halten. Gruss, Martin"

Irene Schmidt schrieb am 1.12.2001: "Ich bin zwar erst seit Anfangs April dieses Jahres bei Radio Unispital im Country Music Team tätig, Radioarbeit ist aber für mich nichts Neues - habe ich doch schon bei verschiedenen Lokalradios Country-Sendungen betreut. Immer wieder wurden die Specials im Allgemeinen oder Country im Speziellen "abgesägt". Die Arbeit bei und für Radio Unispital gefällt mir sehr - ich bin voll motiviert - und jetzt das... was für ein Frust, über 80 freiwillig arbeitende "Radioleute" und unzählige Patienten und Patientinnen zu bestrafen. Die Art und Weise, das "Volk", sprich Hörer und Macher, nicht mal um eine Meinung zu fragen, ist einfach unerhört! Dass es auch für zwei ehemalige Mitarbeiter als höchstes Ziel bezeichnet wurde, Radio Unispital zum Schliessen zu bringen, ist in diesen harten Zeiten des Terrorismus und der Gewalt mehr als bedenklich. Gewalt statt Kommunikation kann doch nicht Usanz werden! Helft mit, dieses tolle Projekt zu retten!"

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Wenn die Kommunikation versagt
Offener Brief zur Schliessung von Radio UniSpital - ein Antwort darauf blieb leider aus

Bern, 22. Dezember 2001

Sehr geehrte Frau Roth
Sehr geehrte Damen und Herren

Ich zeige mich als ehemaliger Radiojournalist, der unter anderem bei Radio Unispital Gelegenheit hatte, das Radiohandwerk anzuwenden und zu verfeinern, bestürzt und enttäuscht über den definitiven Schliessungsentscheid. Ich stütze mich bei den folgenden Ausführungen auf Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Medienberichte.

Laut diesen Informationen hat die Spitalleitung in den letzten Wochen stets das Gespräch verweigert. Selbst wenn der Schliessungsentscheid als solches wohl akzeptiert werden muss, so ist im Jahr der Freiwilligenarbeit dieses Verhalten und diese mittelalterliche Kommunikationsstrategie ein Affront gegenüber den Dutzenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Mir ist bewusst, dass der Betrieb eines Radios kaum zu den Kernaufgaben eines Spitals gehört, gerade im Zeitalter der zwingenden Kostensenkungen. Allerdings hat sich in den letzten zehn Jahren aus Radio Unispital mehr entwickelt, als man anfangs annehmen konnte; dem tragen Sie leider nicht Rechnung. Zudem machen Sie geltend, nicht Kostengründe, sondern Querelen im Radioteam hätten zu diesem Entscheid geführt. Offensichtlich haben Sie sich die Mühe nicht genommen, in diesen Mikrokosmos hineinzuschauen. Ich habe jahrelange Erfahrung im Betrieb von Radiostationen auf freiwilliger Basis. So ein Betrieb kann per se gar nie reibungslos ablaufen. Es ist stets mit Leuten zu rechnen, die wir im Jargon als "Amoks" bezeichnen - Leute, bei denen von ihrer Persönlichkeit her eine Prädisposition besteht, Dinge zu tun, welche die Mehrheit der Gesellschaft oder einer sozialen Gruppe nicht akzeptiert.

Leider merkt man dies oft erst, wenn es zu spät ist. In einem sozialen Biotop, wie es zum Beispiel Radio Unispital war, hoffen solche Leute - man kann sie landläufig auch als "looser" bezeichnen -, sich verwirklichen zu können. Wenn sie dann zu echten Störenfrieden werden, versucht man sie naturgemäss loszuwerden. Leider ist die Folge dann oft, dass man das, wofür man sich vorher beinahe fanatisch eingesetzt hat, auf der ganzen Linie verdammt und schlecht macht. Genau dies ist bei Radio Unispital passiert - ehemalige Teammitglieder, die sich im Team unmöglich gemacht haben, lancierten eine perfide Diffamierungskampagne. Anstatt dies zu durchschauen und sich klar hinter das Radioteam zu stellen, zogen Sie es vor, die Notbremse zu ziehen.

Ein Radioteam notabene, das engagiert gearbeitet hat, aber - auch mit Ihnen - vielleicht anders kommuniziert, als Sie es sich gewohnt sind. Ich denke, dies ist kein Ausdruck der geringen Wertschätzung Ihnen gegenüber, auch wenn angesichts Ihrer Kommunikationsstrategie gewisse Ausbrüche als verständlich bezeichnet werden können. Es mag wie so oft ein Generationenproblem sein - wobei es mir nicht ansteht, Ihnen ans Herz zu legen, sich auch im Sinne Ihres Images in der Öffentlichkeit mit modernen Kommunikationsmethoden vertraut zu machen.

Zurück bleibt nun wohl oder übel ein Scherbenhaufen und eine Menge frustrierter heutiger und ehemaliger Mitarbeitender, die in renommierten Medienhäusern arbeiten und denen es schwerer als auch schon fallen wird, positiv über das UniversitätsSpital Zürich zu berichten.

Leider bringen Sie offenbar das Gespür für all die erwähnten Vorgänge nicht auf. Schade.

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